 

Deutsch-Polnisch-Belarussische
Fachkräftebegegnung
junger Erzieher/innen, Sozialarbeiter/innen und -pädago-
ginnen
vom 06.02. bis 12.02.2009 in Marzahn-Hellersdorf.


Für eine
niveauorientierte Fachkräftebegegnung bedarf es langfristiger Vorberei-
tung und bester Partnerschaften.
In langfristiger Absprache mit unseren polnischen Freunden vom OHP der
Wojewodschaft Lubuskie, dem pädagogischen Fortbildungsinstitut in Minsk
sowie unseren Berliner Verbündeten und Partnereinrichtungen fand in der
Zeit vom 06. – 12. Februar 2009 in Marzahn-Hellersdorf eine Begegnung junger
Erzieher/innen und Sozialarbeiter/innen statt.
Anstoß hierfür gab es unter anderem bereits zum trilateralen
Multiplikator/in-
nen-Treffen der urban-social gGmbH im Oktober vergangenen Jahres und zum
partnerschaftlichen polnisch-deutschen Arbeitstreffen des OHP Lubuskie in
Wiechlice Ende November 2008.
Fotos: Erste Erkundungen in Berlin.
Citytour. Unten: Erste Kontakte. Animations- und
Kommunikationsspiele

Die Fachkräftebegegnung, eine durch die Arbeiterwohlfahrt unterstützte und
durch das Deutsch-Polnische Jugendwerk geförderte Maßnahme, setzte auf ein
kreatives und innovatives Miteinander aller Teilnehmer/innen.
Der Anspruch war sehr hoch, die Motivation der Teilnehmer/innen ausge-
prägt konstruktiv.
Dank der vorbereitenden Absprachen und, vor allem dem Engagement des
OHP Lubuskie (insbesondere des operativen Direktors, Ryszard Kozakiewicz,
und des Beauftragten für internationale Jugendarbeit, Dawid Chodziński),
entwickelte die trilaterale Fachkräfte-Begegnung eigenen Antrieb und zuneh-
mende Dynamik.
Bereits am Tage des Beginns der 7-tägigen Maßnahme kam es zu intensiven
Kontakten, entwickelte sich eine ausgeprägte Kommunikationsbeziehung
vor allem zwischen den deutschen und den polnischen Teilnehmer/innen.

Fotos oben: Diskussion und Erfahrungsaustausch zu Themen der
Jugendsozialarbeit und zur
Kinder- und Jugendhilfe mit der Jugendstadträtin, Dr. Manuela Schmidt, zu
Fragen der präventi-
ven Arbeit gegen Drogen und Gewalt mit dem bezirklichen
Suchthilfekoordinator, Ove Fischer,
zu sozialpädagogischen Konzepten in der gestalteten Jugendfreizeit mit dem
Leiter des Jugend-
klubs "Mehrweg", Gerry Mull und zu interkulturellen Wirkungen in der
Jugendkultur durch die
deutsch-russische HipHop-Crew C. N. R. C.
Foto unten: Fachgespräch mit dem Leiter der JFE "Mehrweg". Rechts: "Fanbild"
mit Teilneh-
mer/innen an der Begegnung und der HipHop-Crew nach dem Auftritt

Die deutschen Teilnehmer/innen, junge Sozialpädagog/innen und „frische“ bzw.
angehende Erzieher/innen, setzen von vornherein auf die Erfahrungen der
polni-
schen und belorussischen Kolleg/innen, suchten das Gespräch und zeigten sich
zunehmend begeistert von der Intensität des Erfahrungsaustausches.
Im Anspruch, gemeinsam von praktischen Erfahrungen in der
sozialpädagogischen
Arbeit zu partizipieren und mittels theoretischem Exkurs Einsichten in
verschie-
dene Konzepte, Strukturen, Arbeitsweisen, kognitive Verhaltens-, Denk- und
Lern-
situationen und didaktische Methoden zu erhalten, vollzog sich letztlich
auch die
bewusste Einordnung der Gruppen und des/der Einzelnen in das Programm.
Eines der gesetzten Ziele bestand in der weitgehenden Auflösung eigener
Gruppenidentität zugunsten einer Forcierung von kooperativer und freundschaft-
licher Gemeinsamkeit aller Teilnehmer/innen.
Ein Teil der Veranstaltungen im Programm setzte die bewusste Verinnerlichung
in die physische und psychische Verfasstheit zu betreuender Jugendlicher
(auch
mit Integrations-, Lern- und verhaltensauffälligem Hintergrund) voraus (hier
stand
vor allem die Simulation von Situationen z. B. im Jugendaustausch, von Indi-
vidualverhalten und Gruppenbeziehungen im Kontext gemeinsamer Aufgaben)
im Mittelpunkt (Wertediskussion, Erfassung immaterieller Ressourcen (Ideen,
Fähig- und Fertigkeiten), Kulmination und induktive Handlungsparameter in
Pro-
grammsituationen etc.).
Fotos: Referententag und Erfahrungsaustausch mit dem operativen Direktor des
OHP Lubuskie,
Ryszard Kozakiewicz, zu Zielen, Strukturen und pädagogischen Konzepten des
OHP. Danksagung
durch den Geschäftsführer der urban-social gGmbH, Dr. Jürgen Koch.

Der praktische Programmverlauf setzte bewusst auf die Verbindung von Praxis
und
Theorie.
In der Erfassung eines möglichst breiten Feldes der Jugendarbeit im
Allgemeinen
und sozialpädagogischer Fragen im Besonderen erwiesen sich die Formen und
Methoden des Erfahrungsaustausches, des Referats/Vortrags, des Seminars, der
Präsentation und der spielerischen Kommunikation (Rollenspiel und Lösung von
Aufgaben in gemischten Gruppen) als besonders wichtig.
Die Relevanz sozialpädagogischer Arbeit mit Jugendlichen (insbesondere mit
individuellen und sozialen Handicaps und sozialen Benachteiligungen) wurde
durchgängig mit Ziel-, Zweck- sowie programmatischen Inhaltsbestimmungen,
Anforderungen, Richtungen und methodischen Hinweisen zur Vorbereitung und
Führung von Maßnahmen des Jugendaustausches verbunden.
Hierbei kam sowohl der individuellen als auch der gemeinsamen Position
entspre-
chende Bedeutung zu.
In der Zielgruppenorientierung wurde besonderes Augenmerk auf die Einbindung
von Jugendlichen gelegt, die dem Charakter der pädagogischen Ausrichtung des
OHP, des Hauses „Pro-social“ bzw. des sozialen und pädagogischen Engagements
mit stadtteilgebundenen „Problemgruppen“ in Marzahn-Hellersdorf und in
Minsker
Kinder-/Jugendeinrichtungen, entsprechen.
Fotos: Gespräch und Erfahrungsaustausch mit Sozialpädagog/innen der
Jugendwohngruppen
im Haus "Pro-social"

Entsprechende Aufmerksamkeit erfuhr der Referententag des operativen
Direktors
des OHP Lubuskie, Ryszard Kozakiewicz.
In der Methode von Vortrag, Information, Präsentation und adaptativen/adaptiven
Tests der psychologischen Diagnostik (insbesondere zur motorischen Steuerung
von Wahrnehmungen),
konnten Schlussfolgerungen für die pädagogische Arbeit gerade auch im
Zusammen-
hang von Verantwortung im interaktiven und –kulturellen Kontext des
erzieheri-
schen Aspekts in der Jugendarbeit gewonnen werden.
Besonderes Interesse kam der klaren und detaillierten Analyse des
pädagogischen
Spektrums und der Strukturierung des Ochotnicze Hufce Pracy, vor allem in
der
Einheit von Erziehung, Bildung, Arbeit (Berufsausbildung) und
Internationaler Ar-
beit, zu.
Fotos: Fachvortrag von Streetworker/innen des
Vereins "Gangway". Information, Präsentation
und Diskussion. Unten: Gespräch mit dem Vizepräsidenten des Berliner
Taekwondo-Verbandes
zu sozialpädagogischen Aspekten im Kinder- und Jugendsport

Gleichermaßen interessant gestaltete sich eine Veranstaltung, die durch die
Sozialpädagog/innen der sozialen Jugendwohngruppen des Hauses „Pro-social“,
vor allem der Jugendwohngruppe „Perspektiven“, in Form einer
Projektdarstellung
und eines Erfahrungsaustausches, realisiert wurde.
Hier berichteten sie über ähnliche Lebenssituationen junger Menschen mit
sozialen
Benachteiligungen und individuellen Beeinträchtigungen und diskutierten mit
den
polnischen und belorussischen Gästen entsprechende Erfahrungen im Umgang
mit diesen Jugendlichen. Annerkennung fand bei den Sozialpädagog/innen des
Hauses „Pro-social“ die Darstellung der Erfahrungen der jungen polnischen
Fach-
kräfte zur intensiven Betreuung von Jugendlichen in den OHP-Zentren, die
spezielle
Unterstützung beim Erwerb eines Schulabschlusses und der Ermöglichung einer
beruflichen Ausbildung.

Angeregte Gruppen-Diskussion im Neuköllner Jugendklub "Scheune" mit dem
Leiter der Einrichtung
und mit der Vorsitzenden des Landesjugendwerkes Berlin der Arbeiterwohlfahrt
Als eine wichtige Komponente und wertvolle Hilfe insbesondere der Arbeit mit
Jugendlichen in prekärer sozialer Situation, mit Migrationshintergrund und
aus
der stadtteilbeengten, oft isolierten Kleingruppe mit Cliquenidentität
wurden die
Beratungen und der Erfahrungsaustausch in den Jugendfreizeitzentren
„Scheune“
(Berlin, Neukölln) und „Mehrweg“ (Berlin, Marzahn-Hellersdorf) sowie des
Teams
„Gangway“, Straßensoziarbeit in Berlin, empfunden. In erstgenannten Jugend-
klubs fanden sich neben den Leitern, Enrico („Scheune“) und Gerry
(„Mehrweg“),
weitere kompetente Moderator/innen und Gesprächspartner/innen. So kam es im
Jugendklub „Scheune“ zum Gespräch mit der Vorsitzenden des Landesjugend-
werkes der Arbeiterwohlfahrt Berlin, Sandy Neugebauer.
In Ergänzung zur Diskussion der Aufgaben in Jugendfreizeiteinrichtungen und
den
Möglichkeiten der interkulturellen und sozial determinierten Freizeitarbeit
mit
Jugendlichen, erläuterte Sandy das Konzept sozialer Jugendarbeit im Landes-
jugendwerk der AWO.
Besondere Resonanz fand die Darstellung der Handlungsansätze, Handlungs-
inhalte- und formen des Berliner Vereins für Straßensozialarbeit „Gangway“.
Insbesondere die polnischen und die belorussischen Teilnehmer/innen fanden
in
der konzentrierten Wahrnehmung sozialer Indikatoren durch die Straßensozial-
arbeit alternative Konzepte und Ideen für fehlende Strukturierungen
sozialpädago-
gischer Arbeit in ihren Ländern.

Vortrag und Gespräch mit dem Präventionsbeauftragen des Polizeiabschnitts 62

In einer mehrstündigen – trotzdem aber in der Zeitplanung viel zu knapp
bemesse-
nen - Veranstaltung in der Jugendfreizeiteinrichtung „Mehrweg“ bestand für
die
jungen Fachkräfte aus Marzahn-Hellersdorf, dem OHP Lubuskie und aus Minsk
die redlich genutzte Möglichkeit des Erfahrungsaustausches mit der
Stadträtin
für Jugend des Bezirkes Marzahn-Hellersdorf, Dr. Manuela Schmidt, dem
Suchthilfekoordinator im Bezirk Marzahn-Hellersdorf, Ove Fischer, dem Leiter
der JGE „Mehrweg“ und mit der deutsch-russischen HipHop-Crew „C. N. R. C.“,
einem Marzahner Rap-Duo, dass für Multikulti, Toleranz und Akzeptanz steht.
Die Stadträtin bezog sich auf Themen der pädagogischen Arbeit und der
Jugendhilfe
im Bezirk und forderte Parallelen und/oder neue Denkansätze aus dem pädago-
gischen Aktionsrahmen vor allem der Teilnehmer/innen des OHP und Minsk
heraus.
In Wechselbeziehung zur präventiven Jugendarbeit an Schulen und in der
Jugend-
freizeit (mit den Schwerpunkten Intoleranz, Gewalt und Drogen) gestalteten
sich
die Vorträge wie auch die lebhafte Diskussion mit dem
Präventionsbeauftragten
des Polizeiabschnitts 62, Gerd Boussel, einerseits und mit dem
Suchthilfekoordi-
nator des Bezirkes, Ove Fischer, andererseits.
Die Präventionskonzepte der Berliner Polizei als auch des Bezirkes fanden
die
besondere Anerkennung der Teilnehmer/innen. Ergänzung fanden diese Gespräche
durch die Thematisierung der praktischen sozialpädagogischen Arbeit im
Bereich
des Kinder- und Jugendsports, im Taekwondo.
Hier hatten die Teilnehmer/innen die Möglichkeit, mit dem Vizepräsidenten
des
Berliner Taekwondo-Verbandes, Fred Gierschner, ins Gespräch zu kommen.
Kulinarischer Nationalitätenabend mit viel Stimmung und Spaß
Durch eine junge Erzieherin des OHP, die offensiv die Gewalt- und
Suchtproble-
matik als vordergründiges Thema der pädagogischen Arbeit anging, kam der
Vor-
schlag, stärker auch die Form des Jugendaustausches als Methode der
Prävention
zu nutzen. Dieser Vorschlag fand entsprechende Anerkennung sowohl bei den
deutschen als auch bei den Minsker Fachkräften.
Die trilaterale Begegnung junger Erzieher/innen und Sozialarbeiter/innen
wirkte
nachhaltig auf künftige gemeinsame Aktionen und gab Impulse für eine neue
Quali-
tät der Zusammenarbeit.
Ein herzliches Dankeschön allen Freunden und Partnern, die sich für das
Fach-
treffen engagiert haben, Dank der Mitarbeiterin der urban-social gGmbH,
Brygida
Kolodziej, für ihre perfekte Sprachmittlung und den vielen Akteuren, die
nach dem
anstrengendem Fachprogramm des jeweiligen Tages dazu beitrugen, mittels
Kommunikationsspiel und Animation zu entspannen und sich ganz schnell und
unkompliziert zu verstehen, freundschaftlich zu verbinden und, so auch beim
abendlichen Kunstprojekt, zu partizipieren.

Plakat zur Fachkräftebegegnung (als
jpg-Datei;
reduziert auf DIN A4. Ca. 450 KB)
Hans-Jörg Muhs
urban-social gGmbH

Auswertung der Begegnung in der Internetpräsenz des OHP Lubuskie
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