urban-social gGmbH
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Deutsch-Polnische Jugendbegegnung
"Taekwondo für Toleranz.
Jugend aktiv und motiviert für ein junges Europa"

12. Oktober - 22. Oktober 2009





Die ursprünglich als Deutsch-Französisch-Polnische Jugendbegegnung mit einem
sozialen Zentrum in Bourg-lès-Valence als Folge eines ersten direkten Arbeitskon-
taktes während eines Deutsch-Französischen Arbeitstreffens Ende 2008 in La Rochelle
vereinbarte trilaterale Maßnahme wurde, parallel zu gemeinsam beginnender Vorbe-
reitung sowohl mit dem Leitungsteam auf französischer als auch auf polnischer Seite,
für die Förderung durch das DFJW eingereicht.
Mit dem Kontakt zum französischen Partner kam es in der Folge und bei Berücksich-
tigung der entsprechenden Zielgruppen-Konformität (Jugendliche im "sozialen Abseits")
zur Absprache von Zielstellung, Inhalten, Programm und Termin (einschließlich einer
Umstellung auf einen Begegnungszeitraum der den präzisierten Wünschen des fran-
zösischen Partners entsprach).

Die geplante und im kommunikativ-medialen Dialog der Leitungsteams langfristig vor-
bereitete Begegnung (mit dem OHP Lubuskie als polnischen Drittlandspartner be-
reits nach Rückkehr aus La Rochelle während der Multiplikator/innen-Begegnung der
urban-social gGmbH und beim Polnisch-Deutschen Arbeitstreffen in Wichlice 2008
abgesprochen) geriet allerdings in Gefahr als es zu einer sehr kurzfristigen Absage
durch das Centre social et culturel du Plateau à Bourg-lès-Valence kam.

Ausgehend vom Stand der Begegnungsvorbereitung, der besonderen Wertigkeit der
Maßnahme (auch unter dem Aspekt der Zielgruppenbestimmung) und dem Interesse
der deutschen und der polnischen Jugendlichen an der Maßnahme empfahl das
DFJW der urban-social gGmbH, über die zuständige Zentralstelle (AWO Bundesver-
band e. V.) das Deutsch-Polnische Jugendwerk um Hilfe zu bitten.

Die urban-social gGmbH und das OHP Lubuskie danken dem Deutsch-Polnischen
Jugendwerk und den verantwortlichen Mitarbeiterinnen der Zentralstelle für die
schnelle, unbürokratische, unkomplizierte und für die Jugendlichen beider Länder so
sehr wichtige Unterstützung der nunmehr bilateralen Jugendbegegnung.


  

Durchgängiges Programmprinzip: Kennenlernen. Animations-, Kommunikations- und Vertrauensspiele

 

 
Mit der Möglichkeit der Realisierung der Maßnahme fanden letztlich auch Aufwand
und Nutzen hinsichtlich der langfristigen und koordinierten Zusammenarbeit der Lei-
tungsteams der urban-social gGmbH und des OHP Lubuskie ihre Bestätigung.

Die Partner einigten sich bereits zur Multiplikator/innen-Begegnung 2008 auf eine
Zielstellung die einerseits den Schwerpunkten des "Europäischen Jahres für Kreati-
vität und Innovation" entsprechen und andererseits dem verbindenden Gedanken
nach Toleranz und Akzeptanz Rechnung tagen sollte.
Der übergreifende inhaltlich-methodische Bezug konzentrierte sich sich in der vorberei-
tenden Verständigung der Leitungsteams hierbei auf das "[Toleranz-]Projekt im
Gesamt-]Projekt" in der Ausrichtung auf interkulturelle Kommunikation und jugend-
relevanter Aktion.

Im Gespräch zwischen den Leitungen fand vor allem der Anspruch an die Machbar-
keit, 'Disponibilität und Wirksamkeit von Programminhalten sowie die Organisiertheit
des Tages- und Projektverlaufes im Zusammenhang mit der sozialen Kompetenz in
der Betreuung und Maßnahmestrukturierung entsprechende Aufmerksamkeit.

Mit dem Wissen um die Befindlichkeit der für die Teilnahme an der Begegnung moti-
vierten und mobilisierten Jugendlichen aus Marzahn-Hellersdorf (Mädchen und Jungen
mit ost- bzw. südosteuropäischem Migrationshintergrund aus dem Sozialraum Mar-
zahn-NordWest z. T. in sozialer bzw. gewisser gesellschaftlicher Isolation [Integra-
tionsdefizite] sowie benachteiligten Jugendlichen in finanziellen und familiären Pro-
blemsituationen) und der Gruppenzusammenstellung durch den polnischen Partner
vom OHP Lubuskie, galt es ein Begegnungsprogramm zu entwickeln, dass ursächlich
auf Toleranz, Annäherung, Auflockerung, Vielfalt und vor allem Chancengleichheit
setzt.

Die Gruppenvorbereitung konzentrierte sich auf den Aufbau von Spannungsfeldern
und der zunehmenden Identität mit den Programm- und Projektvorhaben während der
Begegnung. Durch die deutsche Seite wurde hier die Jugendinitiative des Hauses
"Pro-social" aktiv eingebunden.

 
 

 
 

Gemeinsamer Arbeitseinsatz am Jugendklub "Klinke" mit Grill und anschließender "Klinke"-Party



Besonders intensiv bereiteten sich die teilnehmenden Gruppen auf das "Haupt"pro-
jekt "Taekwondo und Toleranz ..." vor. Die Vorstellungen der Jugendlichen auf das
"Erlebnis Taekwondo" erwiesen sich in der Vorbereitung als sehr unterschiedlich und
gingen vor allem in die Richtung "Kampf-" (statt) "Toleranz-"Sport.

Erst mit der Begegnung selbst verinnerlichten insbesondere die männlichen Jugend-
lichen die Ausrichtung dieser Sportart gegen Gewalt und Aggressivität, für Toleranz,
für die Achtung der/des jeweils Anderen, für Selbstdisziplinierung und Eigendynamik,
für die Überwindung von Minderwertigkeitskomplexen (Aufbau einer selbstbewussten
Beziehung zu sich selbst) und für Eigenverteidigung im Aggressionsumfeld.

In der weiteren Vorbereitung der Gruppen standen einzelne Programminhalte, die ei-
nen direkten Bezug der Jugendlichen zur Mitgestaltung und Teilhabe voraussetzten
(Zusammentragen von Vorurteilen und Klischees "der Deutschen" über "die Polen"
und "der Polen" über "die Deutschen" für Präsentation der einzelnen Gruppen und
Auseinandersetzung in der Gesamtheit [Toleranzspiel], Papiermodenschau, Kunst-
projekt "Körpergips" und "Schwarzes Theater" Vorbereitung des Nationalitätenabends
etc.).

Das ursprünglich für eine trilatere Begegnung erstellte Programm wurde nach Teilnah-
meabsage durch die französische Gruppe mit der Jugendinitiative des Hauses
"Pro-social" kurzfristig in einigen Punkten präzisiert, den neuen Bedingungen (bilate-
ral, kleinere Teilnehmeranzahl) angepasst und mit der Partnerorganisation vom OHP
abgestimmt.

Mit den regionalen/lokalen Kooperationen und Partnerschaften zu verschiedenen
Jugendeinrichtungen im Bezirk Marzahn-Hellersdorf und der Idee Jugendlicher vom
OHP, gemeinsam "etwas nützliches" zu tun, konnten unmittelbar mit der Abschluss-
phase der Vorbereitung der Jugendbegegnung noch Änderungen bewirkt werden, die
sich letztlich auf den Verlauf der Maßnahme positiv auswirkten (gemeinsamer
Arbeitseinsatz im Außengelände des Jugendklubs "Klinke" mit anschließender
Grillparty).




Die langfristige Vorbereitung der Gruppen (insbesondere auch die Einbeziehung der
Jugendinitiative des Hauses "Pro-social" [hier ist hervorzuheben, dass die Bereitschaft
der Mädchen und Jungen zur Mitwirkung auch die Absage der Teilnahme der fran-
zösischen Gruppe "überstand" und so z. B. ein kurzfristig verändertes Konzept zur
Gestaltung von Kommunikations- und Animationsspielen erforderlich wurde]) bewährte
sich gut und erwies sich für den Programmablauf, vor allem hinsichtlich der Partizipa-
tion der Jugendlichen an und in der Begegnung, als vorteilhaft.

Das gesamte Konzept, das Programm und die inhaltliche Ausrichtung der Begegnung
war auf Kennenlernen, gemeinsames Erleben und Erfahren, ausgerichtet. Mit dem
"Projekt im Projekt" war den Jugendlichen jede Möglichkeit gegeben, Eigeninitiative
zu entwickeln, sich selbst mit eigenen Ambitionen, Fähig- und Fertigkeiten einzubrin-
gen und sich selbst zu entdecken.



Toleranzspiel um Vorurteile im pro und kontra:
"die Deutschen über die Polen" und "die Polen über die Deutschen".
Kommunikation ohne Worte: Projekt "Schwarzes Theater"


   


Besonders die Workshops im Taekwondo und das Erleben der eigenen Stärken (und
Schwächen), die grundsätzliche Forderung der Anerkennung und Achtung von Regeln
und Vorgaben (bewusste/unbewusste Disziplinierung durch/im Sport) sowie die Ein-
und Unterordnung in die Gesamtheit trugen dazu bei, Toleranz und Akzeptanz als er-
lebbare Komponenten und positive Erfahrung für die/den Einzelnen deutlich und in
der Nachhaltigkeit alltäglich werden zu lassen. In diesem Zusammenhang erlebten
und erfuhren die Jugendlichen unbedingtes Vertrauen, Motivation, Offensive statt
Defensive sowie Antiaggression und Zusammenhalt als besonders wichtige Voraus-
setzungen.

Die Gruppenidentität und –vermischung entwickelte sich in der Art beeinflusster, in der
eigenen Wahrnehmung jedoch selbst regulierter Initiative und kreativer Aktion, fand hier
seine akzeptable Form interkultureller Bildung und Bindung, die letztlich integrierend
und mobilisierend wirkte.

Mit den Programminhalten gelang es gut, Dynamik und Eigenantrieb der Jugendlichen
herauszufordern und relativ unkompliziert die Auflösung der eigentlichen Teamstruktu-
ren zugunsten einer weitgehenden Gruppenvermischung zu erreichen. Hierbei orien-
tierte sich das Leitungsteam an dem Prinzip von Nähe und Distanz (von der Aufgaben-
stellung und Hilfestellung, Anleitung über Motivation und die [un)-bewusste Wahrneh-
mung und Teilhabe/Partizipation im gemeinsamen Erleben bis zur eigenverantwortli-
chen Abrechnung/Präsentation durch die Jugendlichen selbst).

Es erwies sich als günstig, dass Maßnahmen, die als Folge der Teilnahmeabsage
durch die französische Gruppe ins Programm aufgenommen wurden (kleinere Teilneh-
meranzahl - anderer Aktionsradius), zusätzlich auf das gemeinsame Erleben im Kon-
text des Anspruchs auf Toleranz und Aktion setzten (Arbeitseinsatz Jugendklub "Klin-
ke" mit anschließender Grillparty, Schwarzes Theater [eine ´Kommunikation-ohne-
Worte´-Kleininszenierung], Toleranzbowling).


   
"Ein Leben für Toleranz und Akzeptanz: Charlotte von Mahlsdorf". Führung durch das Gründerzeitmuseum
Oben rechts: Führung und diskussion im Berliner Hanfmuseum.
Unten: Besichtigung der Ausstellung im Berliner Abgeordnetenhaus




Besonders gut gelang es, Kreativität und Innovation mit Erlebnis, Erkenntnis und
kognitiven Lernzielen zu verbinden (Führung durch den europäischen Skulpturengarten
am Haus "Pro-social" [als erstes Jugend-Großkunstprojekt der urban-social gGmbH
mit Berliner Jugendlichen aus Kriegs- und Krisengebieten und Student/innen aus
Barcelona]; Stadtrallye - ein Berlinspiel in gemischten Kleingruppen mit Aufgaben zur
Erkundung von Vorgaben; Kreativ-Modenschau; Toleranzspiel: Vorurteile, Stereotypen
und Meinungen" der Polen" über "die Deutschen" und "der Deutschen" über "die Polen"
[Klischee oder Wahrheit] als Präsentation durch die Gruppen [bildhafte und kommuni-
kativ-rhetorische Wahrnehmungsreflexion, Auseinandersetzung mit den Vorurteilen];
Schwarzes Theater, Kunstprojekt "Körpergips" etc.).

In seinem Charakter war das Begegnungsprogramm auf das ununterbrochene gemein-
same Erlebnis in der Gesamtheit der Teilnahme und Teilhabe aller Jugendlichen ange-
legt. Die Mädchen und Jungen begriffen und empfanden sich zunehmend als die ei-
gentlichen Akteure "ihres" Programms (alle sind von mir abhängig - ich bin von allen
anderen abhängig).
Sie erkannten sich sehr schnell in ihrer eigenen Position und der Akzeptanz des indi-
viduellen Engagements für den Gesamterfolg der Begegnung. In dieser Situation ent-
standen innovative Ideen und verlässliche Freundschaften.

Die eigentliche Absicht der Maßnahme ergibt sich aus der Zielstellung, die sich im ab-
gestimmten Projekttitel "Taekwondo für Toleranz. Jugend aktiv und motiviert für ein
junges Europa" wieder findet.

Durch einen sinnerfüllten und nachhaltig wirkenden Programmalltag sollte es gelingen,
über Toleranz und Akzeptanz neue Freundschaften zu begründen und im Verlauf der
Begegnung zu festigen, Vorurteile und Aggressionen abzubauen, sich selbst und an-
dere zu motivieren und so, auf der Grundlage von Interesse und Zusammenhalt, zu ge-
meinsamen Ideen und Initiativen zu kommen.
In einem zugewiesenen Rahmen (auch als ideelles Detail zu nachfolgenden Maßnah-
men) kam dem Gedanken eines demokratischen und jungen Europa eine entsprechen-
de Rolle zu (Führung durch den europäischen Skulpturenpark, der Besuch des Deut-
schen  Bundesrates mit einführendem Euro-Demokratie-/Parlamentsspiel [von der Idee
zum Vorschlag, zum parlamentarischen Antrag bis zur nationalen/zur europäischen
Gesetzgebung ...]).




Spielend Demokratie (er-)lernen. Besuch und Führung des Deutschen Bundesrates





Beabsichtigt war, den Jugendlichen zu helfen Selbstvertrauen aufzubauen und ihnen,
auch mit Angeboten zur Aktion, Mut zu eigener Initiative zu machen. Eine besondere
Funktion kam hierbei dem Taekwondo in der Ausrichtung auf Toleranz und Akzeptanz
als "Sport gegen Gewalt" zu.

Die prognostizierten Wirkungen in den Vorbereitungsphasen zur Begegnung sind län-
gerfristig mit der Jugendinitiative des Hauses "Pro-social" beraten und diskutiert wor-
den.
In diesem Zusammenhang kam es durch die Mädchen und Jungen der Initiative zu
einem Gespräch mit dem Präsidium des Berliner Taekwondo-Verbandes, in dessen
Verlauf auf die Zielgruppenausrichtung und die inhaltliche Zielstellung der Maßnahme
hingewiesen und Schlussfolgerungen für den Aufbau der Workshops ("Sport gegen
Gewalt und Aggression") abgeleitet wurden.

Es ist gut gelungen, die Jugendlichen in das Programm einzubeziehen, sie zu mobili-
sieren und letztlich dazu beizutragen, die Zielstellung der Begegnung erlebbar zu
machen.
Im ganzheitlichen Erfassen des gemeinsamen Tagesablaufs praktizierten die Mädchen
und Jungen Toleranz untereinander, erlebten die Vorzüge von gewaltfreiem Miteinander,
kamen völlig unkompliziert zur Kommunikation und fanden sich in Freundschaften.

Unerwartet positiv gestaltete sich der enorme Einsatz, die Energie und die Freude an
(und in) den Workshops "Taekwondo und Toleranz" in der Leitung durch den Vizeprä-
sidenten des Berliner Taekwondo-Verbandes, Fred Gierschner. Hier begriffen die Ju-
gendlichen sehr schnell die Sinnhaftigkeit sportlicher Aktion gegen Gewalt und Aggres-
sion.

Mit der Freude an der Betätigung in einer ("coolen"), für Jugendliche sehr attraktiven
Sportart, in der es, bei entsprechender Eigendisziplinierung "nur Sieger, keine Ver-
lierer" (Fred Gierschner) gibt, verband sich unmittelbar und in Konsequenz neues
Selbstvertrauen und Optimismus für viele Teilnehmer/innen.




"Projekt im Projekt": Taekwondo für Toleranz. Sport gegen Gewalt.
Unten rechts: Danksagung für die Workshop-Arbeit an Fred Gierschner.

 


Die weiteren "Projekt- und Veranstaltungshöhepunkte" der Begegnung erwiesen sich
allesamt als durchaus sinnvolle Ergänzung zum Taekwondo (Schwarzes Theater,
Kunstprojekt "Körpergips", Kreativmodenschau, Nationalitätenabend, Toleranzspiel).

Die Erwartungen an Teilnahme und Partizipation im Begegnungsalltag haben sich,
auch und gerade in Anbetracht der Hintergründe der Teilnehmer/innen und der unter-
schiedlichen, oft sehr komplizierten Lebenssituationen in ihrem sozialen bzw. familiä-
ren Umfeld, erfüllt.
Synergieeffekte, die sich letztlich aus der Programmkonstellation im Zusammenhang
didaktischer Ansätze interkulturellen Lernens ergaben, zeigten sich in kritischer/selbst-
kritischer Reflexion eigener Positionen und wirkten, sowohl bei der Gruppe Jugendli-
cher aus Marzahn-Hellersdorf als auch bei den Mädchen und Jungen des OHP, zuneh-
mend aktivierend/mobilisierend.

Anfänglich mit Skepsis in der Sache behaftete Meinungen, die offensichtlich auf vorur-
teilsbelastete Wertungen zurückgehen, verkehrten sich bereits in der Anfangsphase
der Begegnung in das Gegenteil. Hier kam es hier zu grundsätzlichen Korrekturen im
Denken und Fühlen Mit- und Füreinander.
Es entstanden eine Vielzahl verbindender, voraussehbar sogar dauerhafter, Freund-
schaften.

In die Vorbereitung, die Durchführung als auch in die Nachbereitung der Jugendbegeg-
nung war entscheidend die Jugendinitiative des Hauses "Pro-social" einbezogen.
Letztlich ist auch dieser Sachbericht mit Jugendlichen abgestimmt, die sich selbst
ehrenamtlich und engagiert an der Maßnahme beteiligten.

Mit der längerfristigen Vorbereitung konzentrierten sich die urban-social gGmbH vor
allem auch auf die Motivation und Mobilisierung von Mädchen und Jungen, die in der
Mehrheit der beabsichtigten Zielgruppenbestimmung entsprachen. Durch die Jugend-
initiative wurden mit der Sichtung des eigenen "Spiele-Pools" und vor allem auch in
der Programmdiskussion eigene Standpunkte und Vorschläge eingebracht, die ihren
direkten und besonderen Bezug zu den "Projekten im Projekt" hatten (wann bereitet
wer welches Projekt wie und mit welcher Zielstellung vor).
Als besonders wichtig erwies sich der vorausgehende Erfahrungsaustausch und die er-
ste konzeptionelle Beratung zu einer Begegnung der ursprünglich geplanten Konstella-
tion.




Eröffnung des Internationalen Marzahner Mühlencup 2009



                                                                      



Im Begegnungsverlauf übernahmen die Mädchen und Jungen der Jugendinitiative des
Hauses "Pro-social" den Part der spielerischen Aktionen zum kennenlernen, der
Kommunikations-/Animations- und Vertrauensspiele (in der Planung sowie in der Impro-
visation). Zusammen mit den verschiedenen Projektformen ("Projekte im Projekt"), die
sich insbesondere in der Methode des Workshops als zweckmäßig erwiesen, erwie-
sen sich Rollen- und Gruppenspiel (Vorbereitung und Darstellungen von Präsentationen
und Gruppenwettbewerben [z. B. Nationalitätenabend, Gruppenpräsentation "Vorurtei-
le ...", Kreativmodenschau]) als Best Practic.

Als durchgehend wichtige Methode erachteten die Leitungsteams und die Jugendini-
tiative das Erfassen der Erwartungshaltungen der polnischen und deutschen Mädchen
und Jungen an die Begegnung (Interpretationsspiel), das Feedback während der Begeg-
nung und zum Abschluss der Maßnahme (haben sich Erwartungen erfüllt/nicht erfüllt;
hast Du Freunde gefunden; was hat Dir besonders gefallen/was überhaupt nicht; hast
Du neue Ideen für uns alle/für Dich und Dein eigenes [Er-]leben etc.).

Die Anwendung entsprechender Methoden im Programmalltag richten sich generell an
den Zielgruppen und der an der Machbarkeit aus (Aufwand/Nutzen: Räumlichkeiten,
öffentliche Gegebenheiten und Situationen) und ist gleichsam fester Bestandteil jeder
Begegnung.

Die urban-social gGmbH hat als internationale Bildungs- und Begegnungsstätte, auch
in Anbetracht der engen Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Team von Sozialpäda-
gog/innen und Sozialarbeiter/innen aus dem Bestand der Jugendwohngruppen sowie
mit der Jugendinitiative des Hauses "Pro-social" beste Erfahrungen bei der Einbringung
und Anwendung von Best-Practic-Methoden in den Begegnungsverlauf.

Als besonders nützlich erweist sich insgesamt die Workshopmethode im Projekt.
Hier haben die Jugendlichen die Möglichkeit, sich ganz bewusst, oft spontan, in jedem
Fall aber engagiert selbst einzubringen und (mit und vor den anderen) zu bestätigen.
Aus der Erfahrung heraus zeigt sich, dass Workshops qualifiziert und, im Falle der
Arbeit mit besonderen Zielgruppen (wie bei dieser Begegnung), jugendsozialpädago-
gisch geleitet und begleitet werden müssen.


   

Lumpenparty mit Wahl der Miss und des Mister "Eurolumpi"

       


Bewährt haben sich auch bei dieser Begegnung das Kommunikations-/Animations-/
Vertrauens- und Aktionsspiel, der interkulturelle Dialog und die Präsentation (einschließ-
lich ihrer Vorbereitung). Besonders Spiele erweisen sich, wenn im Konsens animatori-
scher Amphibolien und Fähigkeiten angewendet, als überall und jederzeit einsetzbar.
Sie sind beliebt und als Methode besonders geeignet, Vertrauen auf- und Unsicherhei-
ten abzubauen.

Animation und Kommunikationsübungen erwiesen sich in ihrer spielerischen Form (und
in der Vorbereitung und Umsetzung durch Jugendliche selbst [Jugendinitiative]) als
nützlicher Ausgleich zu den "Projekten" [die allerdings i. d. R. selbst einen kommunika-
tiven und animatorischen Anspruch haben] und motivierten zur direkten und unmittel-
baren Beziehung zu anderen. Die urban-social gGmbH empfindet es als besonders
wichtig, dass sich das Kennenlernen im Spiel vor allem in der eigentlichen Deskription
zwischen Jugendlichen selbst - entgegen jeder Bevormundung und dem "Bemühen"
des "Erwachsenen" - vollzieht.

Hervorzuheben ist in der Bezugnahme auf die Anwendung bei dieser Begegnung be-
währter Methoden besonders das Toleranz- und Akzeptanzspiel in der Form der Erar-
beitung von Stimmungs-/Meinungsbildern für Gruppenpräsentationen zu Vorurteilen und
Klischees "der Polen" über "die Deutschen" und "der Deutschen" über "die Polen". Im
Ergebnis der Präsentationen kam es zu lebhaften aber - man kannte sich ja schon –
lockeren Diskussionen um Meinungen oder Vorurteile (z. B. "die Polen machen Sex
ohne Kondom", "die Deutschen machen Sex auch ohne Liebe", "die Polen sind katho-
lisch und intolerant", "die Deutschen leben freier und sind offener", "die Polen klauen
mehr", "die Deutschen trinken Bier und haben dicke Bäuche", "die Polen arbeiten für
wenig Geld", "die Deutschen arbeiten nicht gern", "die Polen haben schlechte Stras-
sen", "die Deutschen lieben Fastfood". "die Polen imitieren Markenartikel", "viele Deut-
sche sind sehr offen schwul oder lesbisch" ... etc.).



 

Gemeinsames Kochen zum Nationalitätenabend

 

Deutsch-Polnisches Liedprogramm zum Nationalitätenabend




In den anschließenden Diskussionen bemerkten jedoch die polnischen Jugendlichen
vom OHP wie auch die Mädchen und Jungen aus Marzahn-Hellersdorf, dass sie in
ihren Stärken und Schwächen "eigentlich alle gleich" seien. Besonders wichtig erschien
dieses Fazit auch aus der Sicht der Teilnahme von Berliner Jugendlichen mit ost- bzw.
südosteuropäischem Migrationshintergrund.

Dem Leitungsteam gefiel besonders die Initiative der Jugendlichen selbst. Es erwies
sich wiederholt dass es günstig, wichtig und richtig ist, detaillierte Programme festzu-
schreiben, vorzubereiten und langfristig zu diskutieren, andererseits aber eine ent-
sprechende Flexibilität für mögliche, sich aus der Initiative in der Situation ergebende
Änderungen, Ergänzungen oder Präzisierungen offen zu halten. Im Falle der kurzfristi-
gen Absage des französischen Partners erwies es sich für die urban-social gGmbH
als vorteilhaft, eine Gruppe ehrenamtlich aktiver deutscher Jugendlicher, die sich in der
Jugendinitiative "Pro-social" engagieren, zur Seite zu haben. Sie verstanden es, sich
unkompliziert auf die neue Situation einzustellen und einzelne Programminhalte auf
den nunmehr bilateralen Charakter der Begegnung zu beziehen (erwies sich z. B. als
notwendig für die Gestaltung von Kommunikations- und Animationsspiele sowie für die
Neukonzeption von "Projekten im Projekt" [z. B. Schwarzes Theater]).

Besonders hervorzuheben ist das solidarische Miteinander in der gemeinsamen Aktion
im Tagesablauf "eine(r) für alle, alle für eine(n)". Es gab keine künstlich, aus der Situa-
tion heraus errichteten Barrieren". Die Jugendlichen ließen sich nicht nur sehr einfach
begeistern und motivieren, sie zeigten sich auch bereit, neben Mitwirkung und aktiver
Teilhabe eigene Initiative zu entwickeln.

Den Jugendlichen selbst gefiel vor allem die Programmatmosphäre und die Möglichkeit,
sich selbst, in der Aktion "beweisen" zu können. Die Programminhalte stellten für sie
keine Doktrin sondern eher eine verlässliche Orientierung zur Ausrichtung im Tagesab-
lauf dar.


 

Geschichtsexkurs Parkfriedhof Marzahn. Fotos: Denkmal für die europäischen Opfer faschistischer
Zwangsarbeit. Ehrung am Gedenkstein für junge polnische Zwangsarbeiterinnen.


Die Maßnahme hatte auf beide Gruppen - hier vor allem auch in Anbetracht der Hinter-
gründe der Jugendlichen - positive Auswirkungen. Es wäre fatal gewesen wenn diese
Jugendbegegnung, insbesondere auch im Zusammenhang mit dem fortgeschrittenen
Stand der Vorbereitung durch die Jugendlichen selbst, auf Grund der Absage durch den
französischen Träger nicht stattgefunden hätte.

Mit der Entscheidung durch das DPJW, die Förderung der Begegnung im bilateralen
Treffen zwischen deutschen und polnischen Jugendlichen zu übernehmen, hat es ganz
entscheidend an Ansehen (vor allem auch bei den Mädchen und Jungen der Jugend-
initiative des Hauses "Pro-social") gewonnen.

Die Jugendlichen lernten in dieser Begegnung sehr viel, sie näherten sich an und
schlossen Freundschaft (eine wichtige Kontakt- und Beziehungsebene außerhalb des
OHP bzw. des relativ "eingeengten" Sozialraumes im Stadtteil Marzahn NordWest).

Durch den Begegnungsverlauf konnten Vorurteile beseitigt (auch hinsichtlich der Berli-
ner Jugendlichen mit überwiegend russischem Migrationshintergrund) und innere Kon-
flikte (die in der Begegnung nur sehr schwer wahrnehmbar waren) abgebaut werden.
Im Ergebnis der Maßnahme besteht von Seiten der Jugendlichen der dringende Bedarf
einer Weiterführung des Projektes.

Die Begegnungsauswertung erfolgte offensiv, in der Methode des Erfahrungsaustau-
sches und des Frage- und Antwortspiels in der zufälligen Auswahl durch die Teilneh-
mer/innen selbst (bei Einbeziehung der Jugendinitiative des Hauses "Pro-social").
Somit gestaltete sich die Auswertung zu einer spielerischen Feedback-Runde. Da die
abschließende Auswertung am Abreisetag stattfand entfiel einerseits jeder Erwartungs-
druck auf ein nachfolgendes Tagesprogramm, andererseits stand sie unter dem Ein-
druck einer erlebnisreichen Begegnung, die das Ende schwer verkraften ließ (bei den
deutschen wie bei den polnischen Jugendlichen).

Es gehört bereits zur "Tradition" der Begegnungsauswertung, allen Teilnehmer/innen
mit dem Abschluss ein Zertifikat und ein bedrucktes T-Shirt (in seiner direkt die Begeg-
nung betreffenden Gestaltung mit eigens entwickeltem Logo und der Benennung der
Maßnahme) und den Gruppen ein eigens gestaltetes Plakat im Format DIN A0 (Retro-
spektive der Begegnung in Bild und Wort) zu überreichen.


 

Kreativ: Kunstprojekt. Unten: Kommunikations-Party.




Die urban-social gGmbH erhielt, insbesondere von den ehrenamtlich in der Jugendini-
tiative des Hauses "Pro-social" mitwirkenden Mädchen und Jungen aus Marzahn-
Hellersdorf, inhaltliche und organisatorische Unterstützung. Über diese Gruppe und in
der Kooperation und Zusammenarbeit mit kommunalen Einrichtungen, Freien Trägern
der Jugendarbeit und Vereinen konnten wesentliche Fragen der Projektarbeit realisiert
bzw. fachlich methodisch sichergestellt werden.

Plakat zur Begegnung (reduziert auf DIN A4 [als *.jpg])

Hans-Jörg Muhs
urban-social gGmbH

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