 

"Mehrweg = mehr Wege zu Toleranz und Akzeptanz"
Deutsch-Französische Jugendbegegnung der urban-social gGmbH und
dem Centre de loisirs d'Aytré vom 16. bis 24. Juli 2009
in Marzahn-Hellersdorf

Die Jugendbegegnung
"Mehrweg = mehr Wege zu Toleranz und Akzeptanz" mit
dem französischen Partner aus Aytré geht auf die nunmehr mehrjährigen
Kontakte
zwischen der urban-social gGmbH in Kooperation mit dem regionalen Partner in
Marzahn-Hellersdorf, dem Jugendklub „Mehrweg“ zurück. Sie basieren auf einer
Partnersuche des Centre de loisirs d'Aytré im Jahre 2006. Seitdem hat sich
die
Zusammenarbeit der Einrichtungen im wechselseitigen Jugendaustausch gut ent-
wickelt.
So entsprach es folgerichtig der Intentionen beider Partner, dass die
Verabredung
zur Begegnung 2009 in Berlin bereits zur vorjährigen Austauschmaßnahme in
Aytré
erfolgte und dass, während eines späteren Zusammentreffens mit den
verantwort-
lichen Akteuren der urban-social gGmbH und des Centre de loisirs beim
deutsch-
französischen Arbeitstreffens in La Rochelle, bereits wesentliche Details
der Begeg-
nung beraten werden konnten.
Während des Foto-Siebdruck-Workshops.
Unten: Siebdruck-Grafiken, entstanden aus
Fotos der Teilnehmer/innen als Ergebnisse des Workshops für Ausstellung und
Grafikmappe
Die Partner einigten
sich in der grundsätzlichen Ausrichtung von Zielstellung und In-
halten der Jugendbegegnung auf Schwerpunkte, die insbesondere den Gedanken
von Toleranz und Akzeptanz transportieren und sich in der Aktion auf
gemeinsame
Kreativität und Innovation konzentrieren sollten.
Die Gespräche erwiesen sich
als richtig und wichtig für die Motivation der Jugendli-
chen, der Diskussion zu den Begegnungsinhalten und für die gemeinsame
Erarbei-
tung eines Programms.
Durch die urban-social gGmbH konnten im direkten Zusammenwirken mit dem
Jugendklub „Mehrweg“ z. T. Mädchen und Jungen für die Teilnahme an der
Begeg-
nungsvorbereitung und –teilnahme einbezogen werden, die bislang wenig
chancen-
gleich und nur in Ansätzen in gesellschaftliche Prozesse involviert waren.
Die Maßnahme selbst bestätigte in seiner Vorbereitung, seiner realen
Ausrichtung
und im direkten Programmansatz zu gemeinsamer Aktion wiederholt, wie wichtig
Begegnungen für die Integration und die Überwindung auch von sozialen
Schranken
und Alltagsbarrieren sind.
Wichtig war der urban-social gGmbH die Ausrichtung des Programms auf
inhaltliche
Schwerpunkte des „Europäischen Jahres der Kreativität und Innovation“ in
vorder-
gründiger Sicht auf Motivation zur Eigeninitiative und gelenkter Teilhabe am
Pro-
grammablauf.
Berlin-Tour: zwischen Französischem Dom,
Hugenotten-Museum, Pariser Platz und
Französischer Botschaft ...
In Absprache mit dem
Leiter der Jugendfreizeiteinrichtung „Mehrweg“ kam es zur
langfristigen Orientierung auf den Begegnungscharakters in der Konzentration
auf
Kommunikation, gemeinsamer Partizipation bei Spaß und Spiel, auf
Projektarbeit
(Workshop Tanz und Fotografie [Druck eigener Schwarzweiß-Fotos im Siebdruck-
Verfahren und Erstellung einer Projekt Fotomappe für die Teilnehmer/innen])
und auf
das Erfassen historischer Hintergründe und aktueller Bezüge in Berlin und im
Sozial-
raum Marzahn (hier insbesondere Marzahn-NordWest.
Vor allem dem inhaltlich-organisatorischen Anspruch von Dissens und Konsens,
von
Akzeptanz und Widerspruch, von Teamfähigkeit und Individualität galt bereits
in den
Phasen der Vorbereitung entsprechende Aufmerksamkeit. Hierbei erwies sich
die
detaillierte Planung und effiziente Gestaltung von Programmbausteinen, die
in ihrer
Gesamtheit die eigentliche Systematisierung des Begegnungsverlaufs
kennzeichnete,
als Anspruch an Diskussion und Einigung.
Besondere Aufmerksamkeit kam der Vorbereitung des Tanz-Workshops (bei eigens
erarbeiteter Choreografie und professioneller Anleitung) und des
Foto-Projekts zu.
Bereits in der vorbereitenden Beratung mit dem deutsch-vietnamesischen
Choreo-
grafen-Team wurde als Schwerpunkt des Tanz-Workshops das Konzept eines
„Projektes im Projekt“ besprochen, in dem besonders auf das
bewegungsintensive,
rhythmisch-dynamische und verbindende Erlebnis gesetzt wurde, wodurch über
die
Forcierung von gemeinsamen Interessen, eine unkomplizierte Annäherung der
Teilneh-
mer/innen erreicht werden sollte.
Hierbei sollte vor allem die eigene Betätigung und Darstellung im Kontext
der gemein-
schaftlichen Aktion erlebt und nachhaltig kreativ akzentuiert werden.
Tanz-Workshop
Das Fotoprojekt konzentrierte sich auf das Erfassen von
wesentlichen Motiven im
Begegnungsalltag, deren abstrahierende Bearbeitung und Retusche mittels
geeigne-
ter PC-Software für die innovative Be- und Verarbeitung im
Siebdruck-Verfahren.
Erklärtes Ziel war die Herstellung einer Fotomappe und einer Ausstellung.
Beiden
Projekten kam im Verlaufe der Begegnung ein besonderer Charakter zu. Sie
wurden
gut angenommen und fanden aktivste Mitwirkungsbereitschaft bei den
Jugendlichen
und Taemer/innen.
Der direkte und seit dem vorjährigen Treffen in Aytré ununterbrochene
Kontakt per Mail
wirkte sich für die lang- und mittelfristige Vorbereitung der Begegnung
positiv aus.
Es kam weder zu Verständigungslücken noch zu Problemen in der Koordination.
Besonderen Dank kommt in der Vorbereitung und bei der Realisierung des
Programms
während der Begegnung der im Centre de loisirs d'Aytré beschäftigten
Animateurin
Sabrina Menez und dem Leiter der Jugendfreizeiteinrichtung „Mehrweg“, Gerry
Mull,
als Kooperationspartner der urban-social gGmbH, zu. Gerade auch über deren
Enga-
gement gelang es langfristig, Jugendliche in die Phasen der Vorbereitung
einzube-
ziehen.
Die urban-social gGmbH agierte hier anleitend und koordinierend.
In der Vorbereitung der Begegnung wurde in Einbeziehung der Jugendinitiative
des
Hauses „Pro-social“ ein „Marzahner Sprachheftchen für die Freunde aus Aytré“
er-
stellt,
der neben einem deutsch-französischen Grundwortschatz auch einige
„Berline-
rische“
Stilblüten enthält und während der Begegnung, auch in die Anleitung von
Kommunikationsspielen, einbezogen wurde.
Überhaupt galt der Forderung und Förderung von Selbstmotivation,
Eigeninitiative und
Impulsen der Jugendlichen sehr große Aufmerksamkeit. So wurden rechtzeitig
Auf-
träge zur Vorbereitung und Realisierung von Aktionen vergeben, Anregungen
hierzu
diskutiert und Schlussfolgerungen erarbeitet. In der Motivation „zur Sache“
und der
inhaltlichen und methodischen Reflexion des Gesamtanliegens der Begegnung,
ge-
lang
es dem Leitungsteam gut, mobilisierend, und als Teil der übergreifenden
Gruppen-
dynamik, zu handeln.
Durch die Leitung war eine kontinuierliche Information und Diskussion –
insbeson-
dere
des Programms und der inhaltlichen Konzeption in der Form bilateralen
Anspruchs
und
praktischer Realisierbarkeit - in der Gruppenkonstitution und -diskussion
gewährleistet.
Führung: Gedenkstätten und Denkmäler Parkfriedhof
Marzahn. Rechts: Blumenniederlegung an der
Gedenkstele für Europäische Zwangsarbeiter.
Bereits mit der
Programmvorbereitung setzte die urban-social gGmbH immer auch in
Partnerschaft mit der Jugendfeizeiteinrichtung „Mehrweg“ auf
Vielfalt und spezielle
interkulturelle Komplexität und Dynamik in der Einheit von Innovation,
Nachhaltigkeit
und Aktion im bewussten Erleben des Alltags und in der bilateralen
Gemeinsamkeit.
Der Vorbereitung und Begegnung kam zugute, dass sich ein Teil der
Jugendlichen
bereits aus dem vorjährigen Treffen in Aytré kannte und bereits dort, im
Feedback,
erste Ideen für die Rückbegegnung in 2009 in Berlin entwickelten. In der
Konsequenz
wirkte sich gerade auch dieser Umstand positiv für die Identifikation der
Mädchen und
Jungen mit den Programminhalten, insbesondere den Projekten, aus.
Eine besondere Rolle – dass ist bereits Usus bei Begegnungen der
urban-social
gGmbH – kam dem besonderen Blick auf die Anwendung entsprechender Methodik
im Kommunikations- und Animationsbereich zu. Hier konzentrierten sich die
Partner
auf das Rollen- und Vertrauensspiel, das Spiel in gemischten Kleingruppen
(Stadt-
rallye
mit entsprechender Zielstellung [Frankreich in Berlin: Persönlichkeiten,
Huge-
notten in
Berlin, Plätze, Straßen, Friedhöfe, Einrichtungen, Denkmäler, Restaurants,
etc.]) und
die eigentliche Projektarbeit im Workshop. Generell war die Anwendung
von
Methode
auf das „Lernen durch Erleben“ (das interkulturelle Lernerlebnis)
ausge-
richtet und
verstand sich nicht als Aktion neben dem Programm sondern als direkter
Teil
des
Begegnungsalltags.
Der gemeinsame Begegnungsverlauf brachte die Jugendlichen sehr viel näher, (be-)för-
derte Freundschaften und trug wesentlich dazu bei, das Interesse
füreinander, auch in
der Bereitschaft einander besser zu verstehen und miteinander kommunizieren
zu
können (Ausprägung auch der Motivation zur sprachlichen Verständigung)
weiter aus-
zuprägen. Es kam sehr schnell und unkompliziert zur einer, als
selbstverständlich
begriffenen, Gruppenvermischung.
Beste Wirkungen auf die Mädchen und Jungen hatte der freundschaftliche
Umgang
der
Leitung untereinander, die demokratische und jederzeit abgestimmte Entschei-
dungsfindung, und die hieraus resultierende gemeinsame Kontaktbasis zu den
Jugend-
lichen selbst.
Die Partizipation der Jugendlichen an
Vorbereitung, Durchführung und Auswertung
erfolgte mit ihrer direkten und unmittelbaren
Einbeziehung/Entscheidungsfindung in
die Begegnung, ihrer „Rolle“ als eigentliche Akteure (eigener Anspruch an
Teamarbeit,
Kommunikationsfähigkeit, Konfliktbewältigung …). Sie waren der Ausgangspunkt
des
Projekts, standen in deren Mittelpunkt und erwiesen sich letztlich auch als
ursächli-
chen Adressaten der Wirkungen, die von ihnen selbst, von den gemeinsamen
Aktivi-
täten ausgingen.
Besonders die Themenvielfalt im Begegnungsverlauf wirkte sich letztlich
positiv in ihrer
Richtung auf Toleranz, Akzeptanz und innovatives Miteinander in den Methoden
der
Durchführung (Workshop-Charakter als Plattform gemeinsamen Erlebens
einzelner
Programminhalte [Musik, Kultur und Kunst, interaktives Lernen etc.]) aus,
die mit der
Projekterwartung der Teilnehmer/innen verbunden war.

"Ein Leben für
die Toleranz. Charlotte von Mahlsdorf". Besuch im Gründerzeitmuseuum.
Rechts: Italienischer Renaissance-Garten in den "Gärten der Welt", Marzahn
Allerdings hätte sich die urban-social gGmbH in der Zusammensetzung
der Teams
mehr Migrationshintergründigkeit bei den Teilnehmer/innen gewünscht um
zusätzliche
Facetten des interkulturellen Miteinander erleben und ausprägen zu können.
Den Gruppenidentitäten und der Geschlechtersituation (Gender Mainstream [Sensibi-
lisierung der geschlechterbewussten Teilhabe an den Maßnahmen]) kam, da sich
hier im Begegnungsverlauf keine Ansätze von Problemsituationen zeigten die
irgend-
eine
Vorbeugung oder Reaktion verdient hätte, wenig Aufmerksamkeit zu. Es gab
keine
Benachteiligungen.
Im Zentrum aller Projektmaßnahmen
und der Programminhalte stand die Absicht
nach
gemeinsamer Partizipation und der Entwicklung zwischenmenschlicher Kontakte
und
individueller, möglichst anhaltender Freundschaften.
Die Partner vereinbarten für das kommende Jahr eine Rückbegegnung in Aytré,
wobei
auch die Fragestellung nach einem Treffen in einem Drittland von Interesse
wäre.
Als
sichtbares Ergebnis der Projektarbeit während der Begegnung präsentierten
sich
die Jugendlichen zum Abschluss mit einer beachteten
Foto-Siebdruck-Ausstellung
und
einer anspruchsvollen choreografischen Leistung im Streetdance.
Hans-Jörg Muhs
urban-social gGmbH |